Anbau Reisterrassen Geflutet NAssreis

Der Reis der Zukunft soll in Hochhäusern wachsen. Kein Scherz. Agrarwissenschaftler tüfteln schon seit Jahren an sogenannten Vertical-Farming-Konzepten. Die Umsetzung ist aber gar nicht so einfach. Und deshalb bleibt Reis aus dem Empire State Building noch Zukunftsmusik.

Das Konzept des Etagenanbaus ist nicht neu: Schon indigene Völker Amazoniens haben ihr Gemüse und Obst etagenweise angebaut und konnten ihre Landwirtschaft sehr effizient betreiben: In der obersten Etage sind bis zu 30 Meter hohe Paranussbäume gewachsen, darunter Sträucher und ganz unten dann Gemüse und in der Erde Süßkartoffeln. Die Idee, Nutzpflanzen in Großstädten auf Hochhäusern anzupflanzen, wird seit den 1990er Jahren von dem amerikanischen Ökologieprofessor Dickson Despommier, vorangetrieben. Seither versucht er, die Öffentlichkeit und die Industrie für das sogenannte Vertical Farming, also die vertikale Landwirtschaft, zu begeistern. Argumente, die für die Verlagerung der Landwirtschaft aus den ländlichen Gebieten in urbane Zentren sprechen, haben die Forscher viele. Wird die Landwirtschaft in die Senkrechte verlagert, würden weite Transportwege wegfallen, es könnte Ackerland eingespart werden und zusätzlich wäre der Reis im Hochhaus vor Frost, Dürre oder Überflutungen geschützt. Zwei Wissenschaftler der Universität Hohenheim, Folkard Asch und Joachim Sauerborn, gehen noch einen Schritt weiter. Sie untersuchen, wie sich Reis in einem so durchtechnisierten Hochhaus kultivieren lässt, dass von außen nur Sonnen- und Windenergie benötigt wird. Ziel ist es, die Bauernhof-Hochhäuser komplett mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Derzeit werden in den Versuchen spezielle Leichtdioden eingesetzt. Es ist die Vision der Forscher, dass alle anderen Komponenten, die für den Reisanbau benötigt werden, wie zum Beispiel Wasser, in einem geschlossenen System zirkulieren. Das Wasser wird also immer wieder recycelt. So könnte der Reis an 365 Tagen im Jahr klimaneutral und substratfrei wachen. Die Weltbevölkerung wird in den kommenden Jahren weiter wachsen. Derzeit macht der Reis bereits 20 Prozent der globalen Nahrungskalorien aus. Durch die Zunahme der Weltbevölkerung wird der Bedarf an Reis bis zum Jahr 2035 um 116 Millionen Tonnen größer sein als heute. Bereits jetzt werden jährlich rund 424 Millionen Tonnen Reis auf der Welt gegessen, das sind 13 400 Kilogramm pro Sekunde. Gleichzeitig brauchen die Menschen aber auch Raum zum Wohnen. Deshalb sei das Vertical Farming, so argumentieren die Wissenschaftler, eine gute Lösung, um Wohnraum zu schaffen und um Ackergebiete zu verkleinern. Gleichzeitig würde der Wasserverbrauch, um die Reispflanzen richtig bewässern zu können, zurückgehen. Zudem müsste weniger gedüngt werden und die Umweltbelastung geht zurück.

Kritiker der vertikalen Landwirtschaft haben Bedenken, dass die versprochenen Entlastungen für die Umwelt nicht eintreffen werden, weil besonders viel Licht durch Lampen erzeugt werden müsse, um die Pflanzen mit genügend Licht zu versorgen.