Ernte Reis Reif Reisfeld

Du bist, was du isst. Das wissen wir schon lange. Aber du bist, was du anbaust? Ein Forscherteam aus China und den USA hat den Zusammenhang zwischen kulturellen Unterschieden und dem Anbau von Reis und Weizen untersucht. Wer Reis kultiviert, ist kooperativ, Weizenbauern hingegen sind individualistischer. Soweit die Theorie. Aber warum ist das so?

In der Praxis sieht es folgendermaßen aus: Der Reisanbau ist sehr aufwendig: Vom Bewässern bis zum Pflücken ist Gemeinschaftsarbeit gefragt. Der Weizenanbau verlangt im Gegenteil nur halb so viel Arbeitseinsatz: Er ist maßgeblich vom Regen abhängig, aber nicht vordergründig von der Unterstützung durch Familie und Nachbarn.

Die Reis-Weizen-Grenze

Das chinesisch-amerikanische Forscherteam hat eine empirische Studie entlang der Reis-Weizen-Grenze in China durchgeführt: In Chinas Norden wird Weizen und im chinesischen Süden Reis angebaut. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Menschen im Norden analytischer denken und individualistischer handeln. Die Reisbauern aus dem Süden Chinas hingegen sind bestrebt Streitereien zu vermeiden und denken ganzheitlicher. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass ihre „Reistheorie der Kultur“ nicht nur entlang der Reis-Weizen-Grenze in China gültig ist, sondern auch kulturelle Unterschiede zwischen Ost und West erklären kann.

Wie der Ackerbau die Städter beeinflusst

Aber gilt diese Theorie ausschließlich für die ländliche Bevölkerung? Keineswegs. Die allermeisten Menschen in China und anderen asiatischen Ländern verdienen ihren Lebensunterhalt mittlerweile längst in den großen Städten und nicht mehr mit dem Ackerbau. Dasselbe gilt für Amerikaner und Europäer. Oft wissen Stadtbewohner nicht mal mehr, wie Reis oder Weizen überhaupt angebaut werden. Aber trotzdem unterscheiden auch sie sich im Verhalten voneinander: Bauern prägen also auch die Stadtmenschen.