Jan Seebeck

Frische Fischbrötchen am Hafen und feine Franzbrötchen in schicken Cafés - das sind vermutlich die ersten Schlagwörter, die einem zu Hamburgs Kulinarik einfallen. Doch auch für den Reishunger hat die schöne Hansestadt Allerhand zu bieten. Hier kommen drei Hamburger Hotspots, die definitiv einen Besuch wert sind.

Sensationelles Sushi in Eppendorf

Was wäre ein Reishunger-Foodguide ohne ein schönes Sushi-Restaurant? Die Meinungen über die japanischen Kochkunst sind so unterschiedlich, wie die Möglichkeiten der verschiedenen Kombinationen selbst. Im „raw like sushi & more“ ist allerdings für jeden etwas dabei. Ganz egal ob Sushi-Fan oder -Gegner, vegan oder flexitarisch: die vielfältige Speisekarte reicht weit über köstliche Reis-Röllchen hinaus und bietet Optionen für jegliche Ernährungsformen.

Neben einer Vielzahl von Sushi-Variationen gibt es auch warme Speisen, wie Curries, verschiedene Filets oder Steaks, Poké-Bowls, leichte Salate oder feine Suppen. Mich persönlich hat das Angebot sehr positiv überrascht, denn wenn ich allein an die verschiedenen Vorlieben innerhalb meiner Familie denke, ist es schon schwer ein Restaurant zu finden, in dem alle glücklich und satt werden. Hier ist das allerdings überhaupt kein Problem.

Auch die individuelle Monatskarte war äußerst liebevoll gestaltet. Sowohl die Namen, als auch die Kombinationen sind einzigartig, denn seit der Eröffnung gab es nicht eine identische Dopplung. Bei unserem Besuch waren die Gerichte beispielsweise nach Hamburger Stadtteilen benannt, zuvor gab es schon Märchen-Namen oder verschiedene Hai-Arten. Wie wichtig Inhaberin Grit Vehren der persönlichen Kontakt zu den Gästen ist, zeigt eine vorherige Monatskarte, in der die Stammgäste selbst Zusammenstellungen entwickeln durften, die anschließend nach ihnen benannt wurden. Auch wir fühlten uns rund um wohl und bestens aufgehoben.

Obwohl sich Hamburg am Tag unseres Besuches von seiner grauen und regnerischen Seite zeigte, war das Restaurant bereits bei unser Ankunft gut gefüllt. Und das an einem gewöhnlichen Montagabend. Doch schon nach dem ersten Bissen konnte ich voll und ganz nachvollziehen, weshalb…

Reishungrig in Hamburg - Die Hotspots der Hansestadt

Wir entschieden uns vorne weg für „eine Variation von hausgemachten Frühlingsrollen“ und „frisches Gemüse der Saison in Tempurateig“ mit dreierlei Saucen. Gemüse-Tempura gehören zu meinen absoluten Lieblingsvorspeisen, daher habe ich mittlerweile schon allerlei Versionen davon gegessen. Dennoch wurde die Messlatte durch diesen Besuch deutlich nach oben geschraubt. Der Teig knusprig, das Gemüse gar und dennoch mit leichtem Biss, bestreut mit rohen Paprika-Würfeln, die eine herrlich frische Komponente gegenüber dem Frittierten bieten. Ein solches Tempura hatte ich nie zuvor! Auch die Frühlingsrollen waren grandios! Anstatt einer undefinierbaren Einheitsfüllung, wird hier ein individuelles Trio aus 1. „Hackfleisch und Glasnudeln“, 2. „Spinat und Feta“ und 3. „Karottenstreifen, Shitake Pilzen, Sellerie und frischer Minze“ serviert. Passend dazu wurden separat „Teriyaki-Sauce“, „Erdnusssauce“ und „Mango-Ingwer-Chutney“ gereicht. Allesamt waren sehr fein abgeschmeckt und absolut harmonisch zu den raffinierten Röllchen. Nach einem solchen Auftakt war die Vorfreude auf den Hauptgang umso größer.

Nun steht man allerdings vor der Qual der Wahl, denn trotz meiner mehrjährigen Sushi-Liebe habe ich Zusammenstellungen dieser Art bisher in keinem Restaurant gesehen. Ich muss gestehen, dass ich manchmal so meine Schwierigkeiten mit Speisekarten habe, dessen Angebot zu außergewöhnlich klingt. Der Grad zwischen „neuartig kreativ“ und „auf Krampf anders“ ist leider nicht sonderlich breit. Die Vielfalt im „raw like sushi & more“ wirkt hingegen nichtmal ansatzweise bemüht, sondern gut durchdacht, stilecht und in sich stimmig. Unsere folgende Auswahl hat dies in jeder Hinsicht bestätigt:

„Black Roll Veggie“ : Schwarzer Reis, gebackener grüner Spargel (Tempura), Goma Wakame, frischer Ananas und Cashewkernen, Inside-Out, getoppt mir frischen Erdbeeren und gerösteten Kokoschips

„Black Roll Shake“ : Schwarzer Reis, Lachs, Granatapfelkernen, Mango und Avocado, Inside-Out, getoppt mit Mango-Mayonnaise und gerösteten Kokoschips

„Veggie Love“ : Zucchini in Panko, Cocktailtomaten, Chili, Mango, Feldsalat, Inside-Out Basilikum

„Tuna Rock’n’Roll“ : Leicht angebratenes Thunfischfilet, getrocknete Tomaten, Frischkäse, Basilikum, Inside-Out mit geröstetem Sesam

„Wer die Nachtigall stört“ : Thunfischtatar mit Teriyaki Sauce und Frühlingszwiebeln, Inside-Out, getoppt mit gegrillter Zucchini, Wasabi-Mayonnaise und Sesam

„Lehmsal-Mellingstedt“: Thunfisch, getrocknete Cranberries, Goma Wakame, Frischkäse, Inside-Out schwarzer Sesam, getoppt mit Gurkenspaghetti und Kresse

Mein persönlicher Favorit war die „Veggie Love“, womit ich im Voraus überhaupt nicht gerechnet habe. Aromen wie Basilikum, Tomate und Zucchini sind für mich eher mit der mediterranen Küche verknüpft. Das feine Zusammenspiel aus Texturen und Geschmackswelten hat mich wahrlich begeistert.Solltet ihr euch zwischen den zahlreichen Köstlichkeiten übrigens nicht entscheiden können, werden auch bereits zusammengestellte Menüs angeboten. So heißt es bloß: Entspannt zurücklehnen und genießen.

Auch für die Süßmäulchen ist im „raw like sushi & more“ gesorgt. Zwischen mehreren verlockend klingenden Desserts wie „Limoncello Parfait auf Schokoladen-Himbeer-Spiegel“ oder „Im Frühlingsrollenteig gebackene Banane mit Agavensirup, gerösteten Mandeln und Soja-Vanilleeis“ entschieden wir uns für die "Sweet Roll": Einer Maki nachempfundene Rolle aus Crêpe, Milchreis und Himbeeren mit separater Vanille- oder Schokosauce.

Es war der perfekte Abschluss für einen wunderbaren Abend. Nicht nur das köstliche Essen, sondern das gesamte Ambiente und vor allem die herzliche Bedienung haben es zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht, das ich nur mit einem großen Lächeln weiterempfehlen kann.

Hawaiianisches Highlight auf der Uhlenhorst & in Winterhude

Keine Zeit zu verreisen und dennoch große Urlaubslust?Das ist kein Problem mehr, denn im Hofweg 103 gibt es hawaianisches Wohlfühl-Flair mitten in der Großstadt.

Hier haben Patrick Krüger und Christian Kille ihren Traum verwirklicht und mit dem „Monkey Beach“ einen Ort der Gelassenheit und der Gemeinsamkeit geschaffen. Entspannte Musik und vielerlei Strand-Accessoires unterstützen das Urlaubsfeeling und sorgen automatisch für Endorphine. Ob gemütlich auf dem Steg, mit den Beinen im Wasser, entspannt im Strandstuhl oder doch am Bartresen mit Blick auf die Alster, der Monkey Beach wirkt wie eine kleine Oase mitten in Hamburg.Mit der Eröffnung ihres ersten Standorts in der Himmelstraße 45 in Winterhude, waren Patrick und Christian die Wegweiser auf dem Gebiet der Poké Bowls in Hamburg. Am 1. Mai 2017 luden sie erstmals zum Genießen ihrer hawaianischen Kreationen ein und sind seitdem von einem Team aus drei Personen auf mittlerweile 40 Mitarbeiter gewachsen.

Poké Bowls? Was ist das eigentlich?

Grundsätzlich erinnern Poké Bowls etwas an die Sushi-Kunst. Anstelle von kleinteilig zubereiteten Rollen, landen die köstlichen Komponenten allerdings in einer Schale und können so selbst in einer knapp bemessenen Mittagspause frisch angerichtet werden. Das Prinzip ist kinderleicht und lädt zum kreativ werden ein. Durch die simple „Step by Step“ Anleitung kann man sich in 6 Schritten seine ganz persönliche Lieblings-Bowl zusammenstellen.

Auf eine Basis aus Sushi-Reis, Vollkornreis oder Island Coleslaw kommen entweder Atlantik Lachs, Gelbflossen-Thunfisch oder rote Beete. Dazu wählt man entweder „Classic-Shoyu“, „Spicy-Ginger“ oder „Orange-Ponzu“ Marinade und anschließend mindestens 3 Beilagen und 2 Toppings. Die Qual der Wahl ist groß, denn die insgesamt 12 verschiedene Beilagen (unter anderem Haiku-Möhren, Süßkartoffel Mousse oder Gurken Kim-Chi) und die 13 unterschiedlichen Toppings (wie beispielsweise Cashew Krokant, Geröstete Seealgen oder Wasabi Crunch) lassen einem schon beim Anblick das Wasser im Munde zusammenlaufen. Abschließend kommt noch ein Finish nach Gusto drüber und schon ist die Bowl verzehrfertig.

Wer sich zwischen all den Leckereien nicht entscheiden kann, hat jederzeit die Option eine der fünf vorgegebenen Bowls zu wählen. Patrick selbst schwört übrigens auf scharfen Tunfisch (der ist besonders authentisch) Karotten, Avocado, Süßkartoffel, Ananas oder Edamame mit Paranüssen.

Das eigentlich Schönste an unserem Besuch (neben der entspannten Atmosphäre und den leckeren Bowls) war der Ausdruck in Patricks Augen, während er über „sein Baby“ sprach. Es ist ein wunderbares Gefühl mit anzusehen, wie jemand so sehr in seiner Tätigkeit aufgeht. Kailua Poké hat Charakter und Seele. Der Name ist übrigens auf die hawaiianische Stadt zurückzuführen, die beide Inhaber selbst besucht haben.

Nach ihrem Aufenthalt auf Hawaii wollten sie das Lebensgefühl, welches sie dort so sehr faszinierte, nach Hamburg bringen. Weg von jeglicher Oberflächlichkeit und der städtischen Ellbogengesellschaft, hin zu dem Fokus auf Herzlichkeit, Dankbarkeit und Wertschätzung der Natur. Für sie entsteht Mehrwert durch Gemeinsamkeit und so war es ein großes Kompliment, als sich Gäste selbst Sitzmöglichkeiten dazu bauten, nur um mit dabei zu sein und eine gute Zeit zu haben. Ein Besuch bei Kailua Poké bedeutet nicht nur lecker essen zu gehen, ein Besuch bei Kailua Poké bedeutet für einen Moment in die Welt hawaiianischer Gelassenheit abzutauchen und positive Energie zu tanken.

Vietnamesische Vielfältigkeit in der Schanze

Wer mit Reishunger durch Hamburg läuft, der kommt an den „Ricebrothers“ nicht vorbei. Das von Außen verhältnismäßig unscheinbare Restaurant, überrascht beim Betreten durch ausgefallenes Interieur. Marketing-Mitarbeiterin Nadine fasst das asiatische Lokal in folgenden drei Worten zusammen: Offenherzig, vielfältig und verrückt.

Mit der Eröffnung Ende März 2018 ist es das „jüngste“ der drei Restaurants, genießt aber schon jetzt einen sehr guten Ruf in der Foodie-Szene. Geschmacksverstärker sind tabu und durch die offene Show-Küche kann man die Zubereitung sogar mit eigenen Augen verfolgen. Wer die „Ricebrothers“ besucht, muss also nicht mit einem 0815 Vietnamesen rechnen, sondern betritt ein modernes, urbanes Restaurant, indem sich die Gäste selbst kreativ beteiligen können. Dies gilt sowohl für das Essen, als auch für die Einrichtung. Die Wände, auf dem Weg zu den Sanitärräumen, sind mit Tafellack bestrichen, sodass man dort nach Lust und Laune seine Botschaft hinterlassen kann.

Egal ob leidenschaftlicher Koch oder enthusiastischer Experimentierfreund, folgende Optionen der Speisekarte laden dazu ein, eigenhändig aktiv zu werden:

Das „Rolling Set“: Serviert wird eine bunt bestückte Platte, mit allen Zutaten für leckere Sommerrollen: Reispapier, Garnelen, Hähnchen, Omelette, Sojasprossen, Reisnudeln, Salat, Mango, Avocado, frische Kräuter und zwei Dips. Wer die vegetarische oder vegane Ernährungsweise bevorzugt, kann selbiges auch in der Tofu-Variante bestellen.

Der "Lau": Der Tisch wird mit einer mobilen Herdplatte und einem Topf Brühe ausgestattet. Dazu gibt es allerhand frische Zutaten und es kann gemeinsam geschlemmt werden.

Gemeinschaftlich eine gute Zeit zu haben steht bei den Ricebrothers im Vordergrund, weshalb es auf der nächsten Speisekarte auch weitere Angebote dieser Art geben soll. Darüber hinaus hat mir Nadine gezwitschert, dass ein Sommerrollen-Kurs in Planung ist. Wenn ihr also Lust habt, eure Fähigkeiten in der vietnamesischen Küche auszubauen, könnt ihr euch schon auf kommende Projekte freuen.

Apropos Sommerrollen, die gab es bei uns auch zur Vorspeise. Und zwar in der veganen Version mit Tofu und hausgemachtem Erdnuss Dip. Besonders an so heißen Sommertagen, gibt es kaum etwas besseres, finde ich. Darauf folgte für meinen Vater ein Gericht der Mittagskarte mit dem Namen „Ente gut, alles gut“. Gemeint war eine Reis Bowl mit knuspriger Ente, frischem Gemüse, Salat, Erdnüssen, Röstzwiebeln und Koriander. Auch ich habe mich für eine Bowl entschieden, allerdings mit Reisnudeln, Zitronengras, Zwiebeln, Salat, Sojasprossen, Erdnüssen und veganen Frühlingsrollen. Mit Frühlingsrollen habe ich persönlich einen kleinen Zwist, muss ich gestehen. Ich mag es nämlich gar nicht, wenn sie trocken sind und bloß aus dem Teig-Mantel bestehen. Diese hatten es allerdings wortwörtlich in sich. Prall gefüllt und knusprig gebacken, kann ich sie nur mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

Zum krönenden Abschluss gab es dann die dritte Kreation der separaten Dessertkarte: 3 Mochis! Mochis sind Klebreistaschen gefüllt mit verschiedenen, süßen Pasten. Passend zur heißen Mittagssonne gab es anstatt der dazugehörigen Sahne eine erfrischende Kugel Litschi-Eis.

Mit einem glücklichen Grinsen stand fest: Das war nicht mein letzter Besuch bei den Ricebrothers. Die lockere Atmosphäre gepaart mit leckerem Essen macht definitiv Lust auf mehr!

Das waren drei Lieblingslokale, hier in meiner wunderschönen Heimatstadt. Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben und die Reis(e)lust für einen Besuch in Hamburg wecken!

Eure Sophie

Sophie verwöhnt uns als Rezeptbuchautorin regelmäßig mit reishungrigen Leckereien, wie mit diesen veganen Sushi Kreationen. Auf ihrem Blog Sophies Soulfood teilt sie neben gesunden Rezepten auch persönliche Geschichten!

Jan Seebeck

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